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Wallace (Roman)

Wallace

Autor: Anselm Oelze

Verlag: Schöffling & Co., 2. Auflage, 2019

Preis: Fr. 33.90  / 22.-

ISBN: 978-3-89561-132-2

Der Versuch einer Erzählung

Darwin hat die Evolution erklärt. Nein? Es war zuerst Alfred Russel Wallace? Diesem Thema versucht sich der Roman von Oelze erzählerisch zu nähern.

Versucht. Denn rasch stösst man bei der Lektüre auf Stossendes: So ist zum Beispiel von „Indianern“ und „Mestizen“ die Rede. Es ist nicht gerade eine neue Erkenntnis, dass diese Begriffe aus der menschenverachtenden Kolonisationsgeschichte stammen. Muss nun jedes Buch durch die Rassismus- und Sexismusbrille betrachtet werden? Ja, wenn mit „Brille“ Sensibilität gegenüber Diskriminationserfahrungen bestimmter Personengruppen gemeint ist – denn dies betrifft unser alltägliches Denken und Handeln. Differenziertheit ist zu erwarten von einem Romanautor, der Philosophie studiert hat und im „normalen Leben“ wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl ist. Die unnötige Verwendung alter rassistischer Begriffe stört und lässt den Eindruck von Dürftigkeit und mangelnder Sorgfalt entstehen.

 

Zugegeben, der Roman liest sich flüssig und leicht, die Sprache ist keine Erleuchtung, aber gefällig. Das Ganze erinnert im Stil ein wenig an die „Die Schatzinsel“ von Stevenson, ohne dessen tiefes Verständnis in menschliche Abgründe erreichen zu können. Zwar wird das Thema, ob Darwin oder Wallace zuerst die Evolutionstheorie entdeckt und formuliert haben mag mit Blick auf deren Intentionen und charakterlichen wie sozialhistorischen Zusammenhänge beleuchtet, doch das Licht bleibt flach. Flach bleiben ebenso die Figuren. Die angedeutete Liebesgeschichte hätte Potential. Doch Frauen spielen im Buch praktisch keine Rolle und wenn die einzige relevante weibliche Figur kaum ausgemalt wird, entsteht auch kein Bild einer Beziehung.

Die Idee, die historischen Abläufe mit einer zweiten Geschichte aus dem Jetzt zu verweben, wäre reizvoll. Sie bleibt leider hängen am erzählerischen Mangel des Erstlingsautors, der offensichtlich woanders Hilfe suchte: Wer das spannende, gut recherchierte Buch von Matthias Glaubrecht „Am Ende des Archipels“ (siehe Buchbesprechung) gelesen hat, den beschleicht der Eindruck, vieles schon einmal besser erzählt bekommen zu haben. Ein kaum verhohlenes Zitat aus „Bienendemokratie“ von Thomas D. Seeley wurde in einen Dialog gepackt. So bleibt ein schaler Eindruck bei einem Autor, der ein Seminar zu „Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens“ gibt.

 

Fazit: Lieber lese ich die Originale! Oder gute Romane. Tipp: Dörte Hansen…

Andreas Reich, Juli 2019


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